Peter Noone (auf dem Foto links in der Mitte) steht bei
Herman's Hermits im Vordergrund. Die musikalischen Qualitäten
der Gruppe sind eher dürftig. Doch alle Singes werden Hits!

In den sechziger Jahren wagen einige britische Gruppen den großen Sprung nach Amerika, um dort ihr Glück zu machen. Am erfolgreichsten sind dabei die Beatles. Doch auch eine andere Band hält sich dort ganz ausgezichnet: Herman's Hermits landen 1965 und 1966 nicht weniger als 16 Hits in den Top-40. Kein schlechtes Ergebnis, wenn man bedenkt, daß die Gruppe musikalisch recht wenig zu bieten hat!
Doch Herman's Hermits haben etwas zu bieten, was in diesen Jahren in Amerika sehr gefragt ist: ien typisch englisches Image. Bei der Gruppe steht der Sänger Peter Noone im Mittelpunkt, ein richtiger. Vorzeige-Engländer, der als Kinderstar in britischen Fernsehserien wie „Coronation Street" bekannt geworden ist.

HEARTBEATS
1964 steigt Noone bei der Gruppe Heartbeats ein, einer Amateurband aus Manchester, zu der der Friseur Barry Whitwam, der Fernmeldetechniker Keith Hopwood, der Student Derek Leckenby und der Graveur Karl Green gehören. Noone hat eine ganz nette Stimme, doch die Gruppe profitiert vor allem von seinem Ruhm als Fernsehstar. Der berühmte Produzent Mickie Most wird auf die Gruppe aufmerksam und hört sie sich an. Er hält zwar nicht viel von den musikalischen Qualitäten der Gruppe, erkennt auber die Chance, Peter Noone als neues Idol für die Teenies aufzubauen. Most nimmt sich der Gruppe an. Um Noone noch besser herauszustellen, nennt sich die Band auf seine Veranlassung Herman's Hermits. Wie Mickie Most die Qualitäten der Hermits einschätzt, gibt er bald zu erkennen: für die Plattenaufnahmen engagiert er erfahrene Studiomusiker (wie Jimmy Page) - die Hermits selbst spielen keinen Ton.

AMERIKA
Die ersten Singles der Gruppe sind erfolgreich, denn. Most hat mit sicherem Gespür für den Publikumsgeschmack Titel ausgesucht, die auf

  Noone zugeschnitten sind. Das betrifft nicht nur seine begrenzten Möglichkeiten als Sänger, sondern auch sein Image als „idealer Schwiegersohn". Auf diese Weise gelingen Herman's Hermits in England einige Hits. Mickie Most weiß, daß er mit Noone einen potentiellen Superstar unter Vertrag hat. Der erfahrene Produzent und Manager bereitet generalstabmäßig eine Kampagne vor, um den amerikanischen Markt zu erobern. Die Amerika-Tournee, die er organisiert, zögert er bewußt bis Mai 1965 hinaus. Zu diesem Zeitpunkt ist nämlich die große Beatles-Welle abgeebbt, und Most weiß, daß die Popfans dort bereits auf ein neues idol warten. Ende des Jahres 1965 haben Herman's Hermits mit den Singles „Mrs. Brown You've Got A Lovely Daughter: und „I'm Henry VIII, I Am" zweimal den ersten Platz in der amerikanischen Hitparade erreicht.

ENGLISCH
Ein netter junger Mann aus Groß-britannien, typisch englische Lieder und die brillante Arbeit eines genialen Produzenten sorgen auch 1966 für großartige Erfolge. In diesem Jahr gelingt Herman's Hermits auch in Europa der Durchbruch. Titel wie „No Milk Today" und „Dandy" sind in aller Munde. Am erfolgreichsten ist die Gruppe jedoch in Amerika. Nach 1967 läßt allerdings auch das Interesse des amerikanischen Publikums an der englischen Popgruppe nach. Die Berichterstattung der Medien über Noone zeigt deutlich, daß er kein richtiger Popkünstler ist. Er macht in Interviews Bemerkungen, die die Hörer nachdenklich stimmen, wie z.B. „Ich kann die Hippies nicht leiden. Ich mag keine Leute, die Parolen schreien und ihre Meinung auf Buttons zur Schau stellen." Oder: „Ich weiß selbst am besten, daß ich keine Neger-Musik singen kann. Aber das brauche ich auch nicht und außerdem will ich es gar nicht." Nach ihrem „Abstieg" in Amerika kann sich die Band in England durch die Unterstützung treuer Fans noch bis 1970 behaupten.



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